Wie wäre es mit einem Buch unter dem Weihnachtsbaum?

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Nach vier Tagen Buchausstellung bin ich beruhigt: Die Schüler an unserer Grundschule lesen tatsächlich noch. Schon zum zweiten Mal hatten wir Eltern letzte Woche in die Bücherei geladen und Neuerscheinungen vorgestellt.

Wozu wir Eltern uns die Arbeit im Herbst machen? Weil wir hoffen, dass auch in diesem Jahr wieder möglichst viele dieser Bücher in den Nikolausstiefeln stecken werden und unter dem Weihnachtsbaum liegen. Für die Medienvermittlung freut sich unsere kleine Schulbücherei außerdem über die Provision unseres Vertriebspartner borromedien. Von dem Einkaufsgutschein wandern wiederum neue Bücher für die Ausleihe in unsere Regale. Klingt super, oder?

Buchausstellung mit Eule

Binnen des letzten Jahres haben wir den Bücherbestand durch Sach- und Geldspenden fast vollständig ausgetauscht. Ja, man kann sagen, unsere Schulbücherei ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht, hat alle Bücher der alten Rechtschreibreform verbannt und sogar die Öffnungszeiten erweitert. Dank motivierter Eltern und Lehrkräfte, die sich für neues Lesewerk an unserer Schule stark machen.

Bildung ist die stärkste Waffe um die Welt zu verändern! [Nelson Mandela]

Wo wir gerade über Schulbüchereien reden, muss ich euch unbedingt jemanden vorstellen: Peter Hurrelmann, ne Kölsche Jung mit großem Rheinländer-Herz. Vor 20 Jahren haben wir gemeinsam CeBIT gemacht. Heute machen wir gemeinsam Schulbücherei. Ich als Vorsitzende des Schulfördervereins, er als Projektleiter des Projekts „Hand in Hand for a better life„. Hinter ihm stehen zwei Teams (eins in Uganda, eins in Bad Honnef) die seit 2013 um Gesundheit, Chancengleichheit und Bildung für Kinder in Kasambya kämpfen.

Peter Hurrelmann (hinten links) und ein Teil seines deutschen Teams. (Quelle: Hand in Hand for a better life)

Bildung wird in Afrika fast ausschließlich mit Hilfe von Büchern vermittelt, schreibt mein Kollege Peter in seinem aktuellen Newsletter. Zu Weihnachten hat das Team eine wundervolle Geschenkidee kreiert, wie ich finde:

Mit 35 Euro (einmalig zu zahlen, also kein Abo!) kann jeder helfen, indem er ein Bücherfach mit zehn Büchern für die Schulbücherei in Kasambya spendet.

Eine Bücherkiste zu Weihnachten verschenken

Die Idee überzeugt mich schon ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Aber es geht noch weiter. Wer möchte, bekommt von einem der Schüler eine eigene Widmung in eines der Bücher geschrieben und erhält ein Foto mit Schüler und Widmung zurück.

Quelle: Hand in Hand for a better life

Ich finde die Idee wirklich super. Wenn jeder aus unserer Familie nur ein paar Münzen aus seinem Sparschwein zusammenkratzt, bekommen wir die 35 Euro schnell zusammen. Und ich freue mich jetzt schon auf die Diskussion mit unseren Kindern. Den eigenen verfassten Text in einem Buch zu lesen, das irgendwo in Afrika steht, in einer kleinen Schule, die so ganz anders aussieht als ihre eigene – das gehört schon zu den besonderen Erfahrungen.

Übrigens werden nicht nur Sachbücher für die Schüler bereit gestellt, es werden auch spannende Leseabenteuer von Prinzessinnen und Piraten, Poesie und Prosa zu finden sein. Hand aufs Herz: Wer macht mit?

Rückblick 2018

Ich verfolge die Entwicklung dieser Schule schon über einige Monate digital mit, eine Zeit in der viel bewegt wurde. Meilenstein in diesem Jahr: nach dreijähriger Existenz wurde die Schule um Internatsplätze erweitert. Im letzten Winter wurde zu Spenden von Schlafplätzen aufgerufen, die mit einer Botschaft versehen werden konnte. Zu wissen, wo genau das Geld ankommt und welche Verwendung es findet, finde ich gerade als Erklärung an unsere eigenen Kinder wirklich gelungene Transparenz. Klickt euch doch mal rüber in die Schule von Kasambya

Rückblick 2018: 70 Etagenbetten wurden für das Schulinternat angeschafft und mit persönlicher Widmung verziert. (Quelle: Hand in Hand for a better life)

Nachts in der Buchhandlung…

Herrlich, was nachts so los ist in der Buchhandlung, zwischen Einhörnern, Hexen und Piraten… Die Heule Eule stupst den Grüffelo an, der seine Ruhe will. Auch der Siebenschläfer wird munter. Die Hexen liefern sich einen Wettstreit um den besten Zauberspruch. Einhörner, Ritter und Piraten diskutieren über den Titel, wer Verkaufsschlager des Monats wird.

Wie turbulent mag es in den Hallen der Buchmesse zugehen, wenn die letzten Sektgläser geleert und das Wachpersonal nicht mehr ganz so wach ist? 🙂 Lange hin ist es nicht mehr, bis die Kisten ausgepackt und alles hübsch hergerichtet ist. Am 15. März startet die Leipziger Buchmesse 2018. Welchen Stand muss man unbedingt besucht haben? Habt ihr Tipps?

Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen?

Nun ja, inhaltlich müsste ich das Sprichwort umdrehen, denn gerade bin ich auf der Suche nach einer geeigneten Eiche. Diese Urwald-Eiche steht im Reinhardswald. Sie ist schon ganz riesig, aber ich weiß, da ist noch Luft nach oben… Seht ihr die kleinen Fenster? Und die kleine Eingangstür? Ich helfe Eurer Phantasie gerne nach, mit einem kleinen Märchen aus unserer nordhessischen Region…

urwaldeiche
„Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen?“ – an das Sprichwort hatte Trendula wohl nicht geglaubt…

 

 

Sinn oder Unsinn? #documenta14

Ich gestehe, Kassels Weltkunstausstellung documenta, die dieses Jahr erstmalig an zwei Orten stattfindet, hat mich noch nie sonderlich interessiert. Dieses Jahr ist das anders. Begeistert hat mich schon im Vorfeld das Vorhaben von vier Langstrecken-Reitern, die ein symbolisches Band zwischen den beiden Veranstaltungsorten Athen und Kassel legen wollen.

Am Tag der Eröffnungsfeier im April war das Quartett in Athen aufgebrochen – vor ihnen eine 3.000 km Strecke die nach Nordhessen führt. Ihr Experiment The Athens-Kassel Ride 2017 soll zeigen, wie man Grenzen eines vereinten Europas per Pferd überwinden kann. Eine großartige Idee, wie ich finde. Am 9. Juli will die Gruppe in Kassel eintreffen und läuft quasi an meiner Haustür vorbei. Chapeau – dieser Termin ist fett in meinem Kalender markiert!

documenta
Entstehung des Parthenon der BücherThe Parthenon of Books in Kassel.

Aber auch sonst kann man Kassels Vorbereitungen auf die documenta bereits spüren. Das Parthenon der Bücher ist ein weiteres Projekt, das in mir großes Interesse geweckt hat. Parallel zum gleichen Kunstwerk The Parthenon of Books in Athen, entsteht auf dem Kasseler Friedrichsplatz zur Zeit ein Büchertempel aus verbotenen Büchern.

Rund 100.000 Bücher aus aller Welt, die entweder früher verboten waren und heute wieder gedruckt werden oder immer noch verboten sind, werden für die Realisierung benötigt. Die bisher gespendeten Bücher reichen längst noch nicht aus, der Spendenmarathon läuft weiter.

Hand aufs Herz, wer hat noch einen Harry Potter Band von Joanne K. Rowling liegen, den er spenden möchte? Oder Werke von Berthold Brecht? Erstaunlich, welche Werke alle auf der Liste der verbotenen Bücher stehen.

Ist das Kunstwerk geglückt, sollen am Ende der documenta alle Bücher an die Besucher verteilt werden. Als Zeichen der Wiedersetzung gegen das Verbot der Texte, der mutwilligen Verbrennung der Bücher und der Verfolgung der Autoren ist es der argentinische Künstlerin Marta Minujin wichtig, die zensierten Werke wieder in Umlauf zu bringen. Eine geniale Idee der Wertschätzung!

Und was ich ganz am Rande der Kunstausstellung für mega galaktisch gut befinde, ist ganz nebenbei: das Logo. Na? Wer kennt den lustigen Vogel?

documenta 14

Kassel, 10. Juni – 17. September 2017
Athen, 8. April – 16. Juli 2017

Firas Alshater – wie ein syrischer Journalist die Deutschen sieht

Firas Alshater kommt aus Syrien und lebt seit drei Jahren in Berlin. Ich durfte ihn Ende des Jahres auf einer Lesung erleben und habe ein paar Worte mit ihm gewechselt. Mit seinem ersten Buch „Ich komm auf Deutschland zu“ tourt er gerade erfolgreich durch Deutschland. Mit seiner herrlichen Hingabe zeigt er, dass Humor viel heilsamer ist als Hass. Eine Lebenseinstellung die tief aus dem Herzen spricht und mich sehr berührt hat.

Ich könnte hier jetzt alle seine ZUKAR-Clips teilen, weil ich sie alle großartig finde. Mit seinem ersten Clip ist er quasi über nacht durch die Decke geschossen. Diese 3 Minuten solltet ihr Euch nehmen um diesen wunderbaren Autor, Schauspieler und TV-Journalist (der aus Aleppo geflohen ist) kennen zu lernen:

Wie schafft man es vom Bücherschreiben zu leben? Welches Zeug braucht man, um eine gute Story zu schreiben? Sein neues Video hat er quasi für mich gedreht 🙂

Firas war auch auf der Buchmesse in Frankfurt und hat mit Krimi-Queen Nele Neuhaus gesprochen. Und auch hier ist das Fazit wieder ganz wunderbar einfach: Schreiben macht nicht reich auf dem Konto – aber es macht reich im Herzen ❤

Rettet den Löwenzahn vor dem Rasenmäher

Wem die jungen Löwenzahnblätter im Salat oder in der Pesto zu bitter sind, dem schmeckt vielleicht die süße Variante aufs Brötchen. Mit den kletternden Temperaturen schießt genau jetzt der Löwenzahn aus der Erde. Wer schneller mit dem Pflücken ist als der Gärtner mit dem Rasenmäher, bekommt im April die wertvollste Ernte.

Worauf warten? Auf die Plätze – pflücken – los!
(natürlich erst, wenn ihr meinen 1. Pressefilm von 2014 angeschaut habt)

Den Pressebericht gibt’s sogar noch online zu lesen. Im Familien-Portal von lokalo24.de

Verbotene Spielplätze

dachboden
Was es wohl hinter den Schieferplatten von Goethes Gartenhaus zu entdecken gibt?

Auf einem Dachboden können ja manchmal seltsame Dinge passieren. Ich habe es als Kind geliebt, mit meiner Cousine über die morschen Holzstufen bis unter den Dachgiebel zu klettern. Klar war das verboten! Aber es war einfach zu verlockend, sich hinter verstaubten Kisten zu verstecken, sich dabei die Spinneweben aus den Haaren zu kämmen und herzklopfend auf das nächste Geräusch zu warten. Eine fallende Stecknadel hätte uns in die Flucht geschlagen. Wir verbrachten unendliche, heimliche Stunden auf Nachbars Speicher. Das Verbotsschild am Eingang der fehlenden Haustür war uns egal.

Unseren eigenen Kindern würden wir sooooooo einen geheimen Schlupfwinkel selbstverständlich niemals als Spielplatz erlauben!

Aber genau so ein wundervoller Dachboden ist der Schauplatz meiner neuen Geschichte. Die Rollen sind alle vergeben. Die ersten Worte sind zu Papier gebracht. Mein lieber Mann durfte wie immer als Erster lesen. Und wie immer hat er sich kopfschüttelnd amüsiert 🙂 Jetzt heißt es erstmal: schreiben, schreiben, schreiben…